| Reif für Europa? |
21.01.2004
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Nürnberger Delegation in der Partnerstadt Antalya
Wann findet die Türkei Aufnahme in der Europäischen Union? Kaum eine andere Frage treibt Journalisten, Politiker, Geschäftsleute und viele andere Bürger in dem Land am Bosporus so sehr um wie diese. Selbst Städtepartnerschaften bleiben nicht unberührt: Als Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly jetzt erstmals offiziell Antalya besuchte, warteten im Presseclub viele gespannt auf seine Einschätzung. Statt sich in wolkig-unverbindliche Höflichkeiten zu flüchten, konfrontierte Maly die Gastgeber jedoch mit einer zurückhaltend-nüchternen Prognose.
Ja, ihr Land gehöre zu Europa. Und nach 44 Jahren als assoziiertes EU-Mitglied habe es ein Recht auf eine klare Perspektive, betonte der Nürnberger OB. Aber die bevorstehende Aufnahme von zehn neuen Mitgliedern lasse wohl frühestens im kommenden Jahr an Beitrittsverhandlungen denken. Mit einer vollen Aufnahme sei schließlich erst in „zehn bis 15 Jahren“ zu rechnen.
Die ehrliche (und womöglich immer noch recht optimistische) Antwort ließ die türkischen Partner und Freunde freilich tief schlucken, die Gesichter verrieten ihre Enttäuschung. Kein Wunder: Zumindest wer sich in der aufstrebenden Touristenmetropole Antalya (mit 300 000 Gästebetten im Bezirk und ebenso vielen Beschäftigten im Gastgewerbe) und im blühenden Hinterland mit üppigen Gemüse-, Südfrüchte- und Blumenkulturen umsieht, fühlt sich durchaus mehr in Europa als im Orient.
Dabei wissen die Funktionsträger in Behörden und Verbänden nur zu gut, dass ihr Land auf dem Weg in die politische Gemeinschaft noch einige „Hausaufgaben“ zu bewältigen hat, wie zum Beispiel Vertreter der Industrie- und Handelskammer bei einem Treffen mit Maly und den Stadträten Hans-Paul Seel (CSU), Gebhard Schönfelder (SPD), Brigitte Wellhöfer (Grüne) und Utz Ulrich (FDP) einräumten. Einer der „Knackpunkte“ ist bekanntlich der Respekt der Menschenrechte.
Nicht von ungefähr will nun auch der Dekan der Juristischen Fakultät in Antalya dieses Thema zum Arbeitsschwerpunkt machen. Als Bewunderer deutscher Philosophie und Rechtswissenschaft setzt Professor Hayrettin Ökcesiz dabei auf Nürnberger Beistand: „Nürnberg versteht sich als Stadt des Friedens und der Menschenrechte. Das ist für uns eine große Herausforderung!“ Weil an seinem kleinen Fachbereich mit nur 150 Studierenden zahlreiche Gastprofessoren aus anderen Universitäten unterrichten, könnte sein Engagement für die Grundrechte durchaus ins ganze Land ausstrahlen. Wichtige Schritte von der Theorie zur Praxis will zudem eine internationale Konferenz der „Cities for Human Rights“ vermitteln, zu der Ökcesiz mit Vertretern der Stadtverwaltung im Dezember in Nürnberg erwartet wird.
Wer dann an der Stadtspitze von Antalya das Sagen hat, ist noch vollkommen ungewiss: Ende März stehen in der Türkei Kommunalwahlen an; die Bürgermeister werden dabei direkt gewählt. Der Mediziner Bekir Kumbul, vor fünf Jahren als Kandidat der Sozialdemokraten erfolgreich, hat bisher erklärt, nicht mehr antreten zu wollen. Chancen als möglichen Nachfolgern werden dem früheren OB Hasan Subasi (Gerechtigkeitspartei), dem früheren Gouverneur Ertugrul Dokuzoglu und dem IHK-Präsidenten Orhan Tolunay eingeräumt. Viele erwarten, dass sich durchsetzt, wer als Kandidat der derzeitigen Regierungspartei in Ankara antritt.
Durchaus eindrucksvoll wirkt die Bilanz von Kumbuls Amtszeit: Mit massiven Investitionen in den Bau von Kläranlagen, Kanälen und die Befestigung von Straßen sowie die Anlage von öffentlichen Parks an den Stränden versuchte er, die Stadtentwicklung in halbwegs (auch für die Umwelt) erträgliche Bahnen zu lenken. Denn durch Zuzüge aus dem Hinterland wächst Antalya um jährlich rund 40000 Bewohner. Erst vor drei Wochen konnte zudem das erste von acht geplanten Sozial- und Kulturzentren für die ärmere Bevölkerung in den Außenbezirken eröffnet werden.
WOLFGANG HEILIG-ACHNECK
(Nürnberger Nachrichten online)
Quelle: http://www.nn-online.de |
| Fernsehen |
14.01.2004
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Deutsch-türkisches Lifestyle-Magazin auf RTL
Hamburg (dpa) „Bosporus Trend“ heißt das erste deutsch-türkische Lifestyle-Magazin bei RTL am 19. Januar. Nazan Eckes, deren Eltern aus der Türkei stammen, wird die Sendung moderieren. Die Sendung wird sich mit den kulinarischen, musikalischen, zwischenmenschlichen und alltäglichen Besonderheiten und Trends des türkischen Lebens in Deutschland befassen und soll auch den einheimischen Zuschauern Einblicke in die typisch türkische Lebensweise vermitteln.
(Ostsee-Zeitung)
Quelle: http://www.ostseezeitung.de |
| Archäologie |
03.01.2004
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Wo das Pergament herkommt
In den Ruinen der antiken Stadt Pergamon arbeiten heute noch deutsche Archäologen
Auf dem Burgberg der westtürkischen Kleinstadt Bergama erheben sich heute wieder die aufgerichteten Säulen des Trajantempels. Sie sind die stummen Zeugen jenes mächtigen Pergamesischen Reiches, das hier, in der Nähe der Ägäisküste, vor rund 2200 Jahren sein Zentrum besaß. Karawanen von Touristenbussen bringen täglich Gruppen zu der Ruinenanlage des antiken Pergamon, in der deutsche Archäologen arbeiten. "Etwa 250000 Besucher werden es pro Jahr sein", schätzt Wolfgang Radt, der die Ausgrabungen leitet.
Eine moderne Straße führt inzwischen zu der 330 Meter höher gelegenen Akropolis, wo Souvenirverkäufer und Fremdenführer auf die Ankommenden lauern. Wer gern wandert, sollte den Wagen stehen lassen und stattdessen zu Fuß dem alten Weg mit seinen steinernen Zeugen der Vergangenheit auf den Berg folgen. Für die knapp einstündige Wanderung sollte man den frühen Vormittag wählen - es ist dann noch nicht zu heiß, und die Urlauberbusse sind noch nicht angekommen.
In dieser einst mächtigen Stadt können Touristen auch die Fundamente des berühmten Zeus-Altars aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert besichtigen. Um den Altar selbst zu bestaunen, genügt allerdings eine Reise nach Berlin: Das rekonstruierte Bauwerk, das in einem Fries den Kampf zwischen Göttern und Giganten darstellt, hat dem dortigen Pergamon-Museum den Namen gegeben. Deutsche Archäologen brachten 1902 mit ausdrücklicher Einwilligung des Sultans die unersetzlichen antiken Bausteine ins kaiserliche Deutschland. Vor Ort wären sie sonst von der Bevölkerung als Baumaterial verwendet worden.
Der deutsche Ingenieur und Archäologe Carl Humann entdeckte Mitte der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts das antike Pergamon und leitete zwischen 1878 und 1886 im Auftrag der Berliner Museen die ersten Ausgrabungen. Seither gilt der Ort als Domäne der deutschen Altertumsforscher, die mit Unterbrechungen während der zwei Weltkriege bis heute hier aktiv sind. "Die Zuständigkeit liegt beim Deutschen Archäologischen Institut", erklärt Radt, der seit 1971 hier forscht. Seine Arbeit konzentriert sich auf die so genannte Stadtgrabung am Südhang des Burgbergs: "Sie soll Aufschluss geben, wie die Menschen in der hellenistisch-römischen Zeit lebten."
Pergamon war in der Antike ein bedeutendes Zentrum von Kunst und Wissenschaft. Es verdankte seinen Aufstieg zu Reichtum und Ruhm im dritten vorchristlichen Jahrhundert dem Herrscher Philetairos, der seine Macht auf ein ihm hinterlassenes Vermögen gründete. An die Blütezeit erinnert heute noch das an den steilen Berghang gebaute Theater mit 80 Sitzreihen, das rund 15000 Zuschauern Platz bot. Immerhin zählte die Stadt einst zwischen 160000 und 200000 Einwohner, Bergama in der Ebene hat heute etwa 70000.
Aus Pergamon stammt eine bedeutende Erfindung: Hier wurde aus Tierhäuten ein Material hergestellt, das sich zum Beschreiben eignete und dem damals üblichen Papyrus Konkurrenz machte: das Pergament. Die Bibliothek der Stadt enthielt nach der Überlieferung rund 200000 Pergamentrollen. Es war die umfangreichste Schriftensammlung der Antike neben der legendären Papyrus-Bibliothek von Alexandria. Pergament gelangte schließlich auch ins Abendland. In den christlichen Klöstern schufen Mönche daraus edle Bücher.
Die Marmorsäulen des Trajaneums von Pergamon bezeugen noch heute die römische Weltherrschaft. Der pergamesische König Attalos III. vermachte sein Reich 133 vor Christus den Römern, welche die Stadt zum Zentrum ihrer Provinz Asia erhoben. Kaiser Trajan und sein Nachfolger Hadrian wurden hier als Götter verehrt. Der in den Jahren 98 bis 117 gebaute Tempel im Ausmaß von 70 mal 100 Metern erinnert daran. Seit 1345 gehörte das Gebiet zum Osmanischen Reich. Für die Erhaltung der antiken Stadtreste zeigten die neuen Herren kein Interesse. Die Tempel wurden zum Steinbruch, aus dem Anwohner Quader für den Hausbau brachen. Die Schäden sind bis heute sichtbar.
Als die Europäer in 19. Jahrhundert auf der Suche nach den Spuren der Antike nach Kleinasien vordrangen, fanden sie geradezu ideale Bedingungen. Die Osmanen herrschten über all jene Gebiete, in denen sich einst die klassischen Kulturen erstreckten. Sultan Abdulhamid II. zeigte sich besonders großzügig. Er billigte die Ausfuhr des für ihn wertlosen Gesteins, denn Darstellungen von Menschen, wie sie Reliefs und Skulpturen zeigen, widersprechen den Gesetzen des Korans. Nur bei Gold und Edelsteinen verlangte er einen Anteil von den Archäologen.
(Horst Heinz Grimm)
(Wiesbadener Tagblatt online)
Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de |
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